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Chronik

Die „Neue Bornheimer Karneval-Gesellschaft 1901“ wurde im historischen Schützenhof auf der Bergerstraße in Bornheim gegründet. Sie entstand aus einer Stammtischgesellschaft, deren Ursprung die Karnevalgesellschaft Wau-Wau war. Diese wiederum ist auf den in Alt-Bornheim wohl bekannten Tierarzt Dr. Dietz, allgemein Dr. Wau-Wau genannt zurückzuführen.

Die Jahrhundertwende war den Herren Georg Ahrens, Georg Bräuchle, Heinrich Grünwald, Heinrich Hildebrandt, Arthur Hölterhoff, Hermann Krebs, Philipp Löbig, Simon Meder, Lorenz Schiebener, Heinrich Schmidt, Wilhelm Sprankel, Adolf Steib I, Georg Thöt, Andreas Wilhelm und Heinrich

 

Wilhelm willkommener Anlass die 1891 gegründete KG „Wau-Wau“ in die Neue Bornheimer Karneval-Gesellschaft 1901 umzuwandeln. Als Gründungstag gilt urkundlich der 25. Januar 1901. Schon 14 Tage später, nämlich am 6. Februar ging unter dem Präsidenten Heinrich Grünwald die erste Damensitzung über die Bühne im Schützenhof.

 

Info:

Übergabe der Wau-Wau Fahne

Die Gründungsfahne wurde über die Kriegsjahre durch die Vereinsmitglieder an einem sicheren Ort aufbewahrt, so dass sie bis heute existiert. Die Fahne hing jahrzehntelang in unseren Vereinsheim, bevor wir diese im Jahre 2005 als Dauerleihgabe an Bernhard Ochs, Gründer und Leiter des „Bernemer Museumslädchen“, im Rahmen unseres Ordensfestes überreichten.

Zuvor wurde die Fahne, die teilweise recht ramponiert ausgesehen hatte, komplett restauriert. Unser Mitglied, Dieter Bures, hat die Restauration durch das Deutsche Fastnachtsmuseum in Kitzingen durchführen lassen.

 

 

Im Jahre 1903 übernahm Arthur Hölterhoff das Präsidium, das er bis 1908 innehatte.
Während dieser Zeit hatte die Gesellschaft auch ihre eigenen Prinzen, die z.T. einen prunkvollen Hofstaat hielten, wie z.B.

1897 Wau-Wau Prinz Paul I (Wertheim)
1901 Prinz Wilhelm I (Sprankel)
1902 Prinz Heinrich I (Wasser-Schmidt)
1903 Prinz Karl I (Hebe)
1905 Prinz Reinhold I

Der Wirt des Schützenhofs Adolf Steib I übernahm 1908 den Präsidentenstab von Arthur Hölterhoff, um ihn schon im nächsten Jahr an Wilhelm Orèans abzugeben.

Über die Zeit des 1.Weltkrieges und der Nachkriegsjahre fehlen Unterlagen, Akten und Protokolle. Erste Aufzeichnungen, die wir dem damaligen Schriftführer Fritz Kelber verdanken, finden sich wieder aus dem Jahre 1927. Unter der Präsidentschaft von Willy Schade erlebte die Gesellschaft einen neuen Aufschwung, der sich in glanzvollen Sitzungen im Schützenhof niederschlug und der in einem Bernemer Karnevals-Zug im Jahre 1929 („kalte Fassnacht“) unter der Regie der 1901er seinen Höhepunkt fand.

Am 11.11.1932 übernahm F. E. Pfeiffer (gen. „Emmil“) das Zepter und führte die Gesellschaft in 28-jähriger Amtszeit von Erfolg zu Erfolg, bis er bereits 70-jährig der nachdrängenden Jugend den Präsidentenstuhl räumte. Die 1901er verdanken ihrem Emmil nicht nur glanzvolle Sitzungen; er war es auch, der traditionsbewusst den unverwechselbaren karnevalistischen Stil der 1901er weiterentwickelte, die brüderliche Harmonie vertiefte und seinen Karneval zur lachenden Philosophie erhob. Unvergessen bleiben seine Thesen: „Karneval ist gelebte und gelachte Erkenntnis, Humor ist Scharfsinn an sich. Freude ist das Jauchzen reiner Seelen„.

Da nach dem 2. Weltkrieg der Schützenhof als Narrhalla nicht mehr zur Verfügung stand, mussten wir bedingt durch die allgemeine Saalnot in Frankfurt ins Enkheimer Volkshaus ausweichen. Doch bald war das Messegelände in der Rheingau-Allee wieder aufgebaut. Zunächst diente die Messegaststätte als provisorische Narrhalla bis am 5. Februar 1952 die erste „Große Prunk-Sitzung“ in der neuen Kongresshalle vor über 2000 Närrinnen und Narrhalesen über die Bühne ging.

Der Wiederaufbau des Zoo-Gesellschaftshauses ermöglichte dann die Rückkehr in die unmittelbare Nähe unserer Bornheimer Heimat. Am 8. Februar 1958 fand die erste „Große Prunk- und Fremden-Sitzung“ im total überfüllten, neuen Festsaal des Zoo-Gesellschaftshauses statt. Endlich hatten wir wieder eine Heimstatt und Narrhalla gefunden, die unseren Belangen gerecht wurde. Organisatorische Gründe veranlassten uns die Führung der Gesellschaft umzugestalten.

Werner Schlumberger wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt und übernahm in dieser Eigenschaft die verwaltungsmäßige Führung, während Erich Schade als Minister- und Sitzungspräsident den karnevalistischen Teil leitete. Stellvertretend für alle sei an dieser Stelle zwei Männern gedacht, die in unermüdlicher Arbeit uneigennützig für die 1901er gewirkt haben: Paul Kaiser, der mit nie versiegendem Humor und organisatorischem Talent alle Schwierigkeiten meisterte und Willy Schade, der als Kanzler des närrischen Reiches der Gestalter und Motor der Gesellschaft war.

Im 111. Jahr der Frankfurter Fastnacht und im 66. Jahr des Bestehens legte das närrische Volk der 1901er das Zepter in die Hände von Willi Kunz, der als Ministerpräsident und 1. Vorsitzender mit großem Erfolg die Gesellschaft 20 Jahre lang führte, bis er 1988 den Präsidentenstab an Manfred Bürkle übergab. Die 1901er haben Willi Kunz viel zu verdanken. Sein unübertrefflicher Charme gepaart mit echtem Bernemer Mutterwitz haben ihn weit über die Grenzen unserer engeren Heimat hinaus bekannt gemacht.

Seit Beginn der sechziger Jahre und besonders während seiner Amtszeit ist es den 1901er, auch dank der Aktivitäten des Außenministers Hans Ramien, gelungen mit vielen großen Karnevalsgesellschaften in nah und fern enge Freundschaft und brüderliche Verbundenheit zu pflegen.

Hier ist nicht nur die freundschaftliche Zusammenarbeit im Rahmen der Bornheimer Karnevalvereine „Vier unner aaner Kapp“ zu erwähnen, die sich nicht zuletzt auch in sechs Gemeinschaftssitzungen von 1970-1975 mit der Karneval-Gesellschaft „Narrhalla“ manifestierte.

Unvergessen bleiben aber auch die Besuche bei unseren Freunden vom „Nürnberger Trichter“, dem K.V. Zweibrücken und der Salzburger Faschings-Gilde. Als größtes Ereignis dieser Art darf wohl der Besuch unserer Narrenfreunde aus Kanada in Frankfurt und unser Gegenbesuch im Jahre 1971 unter der Regie von Hans Ramien gewertet werden.

Ein weiterer Höhepunkt war dann unser 75-jähriges Jubiläum. Zur akademischen Feier am 25. Januar 1976 kamen viele Freunde aus nah und fern nach Bornheim. Kappenbruder Karl Linker fand in seiner Laudatio besinnliche und heitere Worte für unsere Gesellschaft. Glanzpunkt der Saison war selbstverständlich unsere Jubiläumssitzung im Zoo erstmals wieder in eigener Regie vor ausverkauftem Haus.

Als 1977 die 5 Bernemer Handwerksburschen unter der Führung von Horst Westenberger zum ersten Male ihre stimmungsvollen Melodien auf der Zoobühne für ihre 1901er sangen, war der Anfang gemacht für eine sich bis heute 25-jährig fortsetzende Erfolgsserie dieser Truppe. Eigene Texte auf zündende Hits brachten Massen in Stimmung und volle Säle zum schunkeln. Bald war man nicht nur in Frankfurt, sondern im ganzen Hessenland sowie Funk und Fernsehen bekannt und beliebt. So kann Horst Westenberger heute auf 10 gestandene Handwerksmeister und zwei Musikanten als Sangesfreunde bauen.

1981 legten die Mitglieder der 1901er die Vereinsführung in die Hände von Erich Schade, der wiederum das entgegen gebrachte Vertrauen zu rechtfertigen wusste.

1984 wurde das Frankfurter Prinzenpaar aus dem Backparadies Eifler von den 1901er gestellt.

Im Jahre 1988 wurde Manfred Bürkle zum Ministerpräsident ernannt und löste damit Willi Kunz nach 20-jähriger Amtszeit ab. Dies wurde zum Anlass genommen den Elferrat stark zu verjüngen.

Auf Grund des Golfkrieges musste 1991 die Fassnacht leider ausfallen, doch die 01er feierten am 5. Oktober einen großen, festlichen Ball zum 90-jährigen Jubiläum im Zoo-Gesellschaftshaus.

Dank unseres Mitgliedes Karl Oertl wurde 1992 das erste öffentliche Heringsessen der 1901er mit Programm und Fassnachtsbeerdigung im Bürgerhaus Bornheim vor 160 Gästen veranstaltet. Dies wurde bis 1997 unter großem Erfolg und steigenden Besucherzahlen fortgeführt und erreichte 1998 einen weiteren Höhepunkt mit der ersten Verleihung des Ordens „De lachende Frankforter“ an Bodo Bach (alias Robert Treutel). Diese spezielle Auszeichnung, die von den 01er und Karl Oertl ins Leben gerufen wurde, wird alljährlich verliehen.

Ab 1997 veranstalteten wir mit unseren Freunden der FKG Narrhalla das „Frankfurter Fassenachtsfest“ unter Mitwirkung namhafter Karnevalisten im  Zoo-Gesellschaftshaus.

1999 legte Erich Schade in der Hauptversammlung sein Amt als 1. Vorsitzender nieder und wurde auf Grund nunmehr 70-jähriger Vereinsmitgliedschaft, davon 40 Jahre als Ministerpräsident und Vorstandsmitglied, mit großem Dank der Gesellschaft für seine stetige Freude als Vollblut-Karnevalist, seiner Ehrlichkeit und seinem Bemühen die Fassnacht immer als schönste Nebensache der Welt zu sehen, zum Ehrenvorsitzenden gewählt.

Horst Westenberger, bis dato 2. Vorsitzender, wurde mit großer Mehrheit zum 1. Vorsitzenden der Bornheimer K.G. 1901er gewählt und führte die 01er mit verjüngtem Vorstand ins neue Jahrtausend.

Seit 1999 sind wir auch als einer der ersten Karnevalvereine in Frankfurt Worldwide im Internet unter www.bkg1901.de aktiv.

Am 22.Oktober 2005 verstarb unser Ministerpräsident Manfred Bürkle. Christian Kaiser, seit Kindesbeinen an bei den 01ern, übernahm das Zepter.

Im Jahre 2009 mussten wir, nach Jahrzehnten, das Zoo-Gesellschaftshaus verlassen. Unsere Gemeinschaftssitzung findet seit der Saison 2008/2009 im Saalbau Bornheim statt.
Die Kosten für das Gesellschaftshaus und nicht zuletzt die Rückläufige Nachfrage nach Karneval haben uns keine andere Wahl gelassen.
Dieser große Schritt wurde mit großen Bauchschmerzen vollzogen. Würde das Publikum von einem Samstag auf einen Freitag wechseln? Wie würden wir und nicht zuletzt unser Publikum den Sprung in das Bürgerhaus schaffen?

Wir waren mehr als erfreut, als die Nachfrage nach den Karten nicht abriss. Der Kartenverkauf und die Resonanz in der darauffolgenden Saison (2009/2010) ließen alle Bedenken davonfliegen.
Unser Publikum und wir sind in unserer „neuen Heimat“ angekommen!

2001 feierten wir unser 100 jähriges Jubiläum im Bürgerhaus Bornheim.
Der 1. Vorsitzende Horst Westenberger hat die akademische Feier eröffnet, die Gäste, befreundete Vereine und die Mitglieder begrüßt und willkommen geheißen.
Peter Völker, Volksbankvorstand und 1. Vorsitzender der TG Bornheim, hielt die Laudatio über die hundertjährige Vereinsgeschichte. Anschließend haben Freunde, Vereine, offizielle Vertreter von Stadt, Politik und der Große Rat mit Prinzenpaar ihre Glückwünsche und Geschenke überbracht.

Vor dem Abendprogramm waren alle Gäste zu einem tollen Frankfurter Büfett mit passenden Getränken geladen.
Die Bernemer Handwerksburschen der 01er, die ihr 25jähriges Jubiläum feierten, haben die Feier musikalisch umrahmt.
Unser Programm haben wir im 10 Jahres Turnus von 1901-2001 zusammengestellt und jede Epoche mit passendem Tanz, Gesang, Musik und Vortrag dargestellt.
Es war eine wunderschöne, lustige und fröhliche Jubiläumsfeier mit „viel Spaß an de Freud“

2007 hatten die Bernemer Handwerksburschen, die im Rhein-Main-Gebiet und durch Fernsehauftritte sehr bekannt waren, nach 31 Jahren ihren letzten offiziellen Auftritt. Einige Sänger konnten leider nicht mehr dabei sein und die Gruppe wurde zu klein.

Am Beginn der Kampagne 2015/16 teilte uns unser erster Vorsitzender, Horst Westenberger, mit, dass er mit dem Ende der Saison sein Amt niederlegt. „Nach 16 Jahren 1.Vorsitzender und mit 79 Jahren wäre es an der Zeit, die Führung des Vereins in jüngere Hände zu legen“, so die Worte von Horst Westenberger.

Am 19.März 2016, im Rahmen unseres Ordensfestes, verabschiedeten wir Horst Westenberger und dankten ihm für seine Zeit als ersten Vorsitzenden. Gleichzeitig wurde Horst zum Ehrenvorsitzenden unserer Gesellschaft ernannt.
Unter der Führung von Horst Westenberger vielen die zwei großen Jubiläumsfeiern „100 Jahre BKG 1901er“ und „111 Jahre BKG 1901er“. Wir können Stolz sagen, dass unsere 100-Jahrfeier wohl „das“ größte Fest der Bornheimer, wenn nicht sogar der Frankfurter Fassenacht war.

Die Gesellschaft wählte an diesem Abend Thomas Schade zum neuen 1.Vorsitzenden und Christian Bürkle zum 2. Vorsitzenden.

Bis zum heutigen Tag eröffnen wir am 11.11. mit acht befreundeten Vereinen die Kampagne und veranstalten eine interne Karnevalseröffnung.

Alles in allem blicken die 1901er voll Stolz auf eine karnevalistische Vergangenheit, die in nicht unerheblichen Maße den guten Ruf der Mainischen und Frankfurter Fassnacht begründet hat. Als Stifter des Friedrich- und Adolf-Stoltze-Orden, des Lachhannes-Orden und des Orden „De lachende Frankforter“ gilt unser karnevalistisches Streben heute wie vor 100 Jahren der Pflege des Heimatbrauchtums, unserem goldische Frankforter Gebabbel und dem befreienden Lachen.

Glücklich sind die 1901er, wenn es ihnen gelungen ist, ihr Publikum für ein paar Stunden herausgeführt zu haben aus den Sorgen des Alltags, und es ist uns Dank genug, wenn man etwas von unserer frohen Laune mit nach Hause nimmt, auf dass dieser Sonnenschein unseres ewigen Narrenherzens in lachenden Lebensmut verwandelt wird.

Frankfurt am Main, 20.März 2016