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Lachende Frankforter, Steffi Jones

Bericht der Frankfurter Rundschau vom 22.02.2015, Fabian Scheuermann
(c) by Frankfurter Rundschau

 

Auszeichnung für Steffi Jones

Fußballerin Steffi Jones hat Frankfurt jahrelang sympathisch und glaubwürdig in der Welt vertreten und dabei stets über den „Spielfeldrand“ hinausgeschaut. Jetzt ist sie zum „Lachende Frankforder 2015“ gekürt worden.

 

Es sei Ehre zugedacht, der anderen Menschen Freude macht“, heißt es am Samstagabend im Bürgerhaus Bornheim zur Erklärung, was es denn eigentlich genau mit dem „Lachende Frankforder“ auf sich habe. Seit 1998 verleiht Karl Oertl im Namen der Bornheimer Karnevalsgesellschaft 1901 den Orden an eine Person aus Frankfurt, die „den grauen Alltag durch Spaß, Humor und Frohsinn aufheitert“.

Nach der Dreifachverleihung an die ehemaligen Fußballspieler Jürgen Grabowski, Thomas Berthold und Bernd Nickel im vergangenen Jahr wurde auch die Ehrung für 2015 einer Zauberin am Ball zuteil: Steffi Jones. Warum sie den ehrenwerten Orden der 1901er verdient hat, machte mit prägnanten Worten Harald Stenger, ehemaliger Pressesprecher des Deutschen Fußballbunds und Ex-Sportjournalist bei der Frankfurter Rundschau, in seiner Laudatio klar.

 

Steffi, das „Multikultikind aus Frankfurt“, wie Stenger es ausdrückte, habe Frankfurt jahrelang sympathisch und glaubwürdig in der Welt vertreten und dabei stets über den „Spielfeldrand“ hinausgeschaut. Heißt: „Steffi hat im Blick, dass Fußball auch die Möglichkeit bietet, um Botschaften zu überbringen gegen Diskriminierung und Rassismus und für Toleranz.“ Die Bonameserin sei „im positiven Sinne eine Menschenfängerin“, lobte Stenger.

So weit, so ernsthaft und so gut – doch was wäre eine Sitzung der Bornheimer Karnevalsgesellschaft, wenn die Geehrte nicht auch ein Portiönchen humorvolles Fett abbekommen würde? Richtig: keine Karnevalssitzung. Das hatte wohl auch Stenger im Kopf, als er sich im Vorfeld der Verleihung mit Jones’ ehemaliger Lehrerin Eva Fischer kurzschloss, die ihm dann auch fröhlich ein paar Notizen zusteckte, die sie noch aus dem Unterricht mit Steffi aufbewahrt hatte.

 

Auf einem dieser Zettelchen sollten die Schüler ihr Lieblingsgericht und ihre Hobbys notieren. Steffi, die damals zwölf Jahre alt war, konnte sich nicht entscheiden und notierte beim Essen „Spaghetti, Hamburger, Pommes und Pizza“. Ob sie das denn alles am liebsten auf einmal aß, wollte Stenger wissen. Lautes Gejohle im Saal. Und auch bei den Hobbys gab es für alle was zu schmunzeln: „Football, Baseball, Tischtennis und Sport“, schrieb das Mädchen damals. Zwar wurde Fußball in dieser Auflistung noch nicht erwähnt – die anderen Ballsportarten jedoch auch nicht wirklich dem Sport zugeschrieben.

 

Und dann hatte die Lehrerin Harald Stenger noch etwas ganz anderes erzählt: und zwar, dass Steffi schon damals „nicht nur fröhlich war“ – eine Grundvoraussetzung zur Verleihung des „lachenden Frankforders“ – sondern, dass sie schon damals ein „ausgeprägtes soziales Gewissen“ besaß, das sie dazu antrieb, „die Sachen, die sie für richtig hielt, durchzufechten“.

 

„Ich bin eben Steffi, und ich sage, was ich denke“, entgegnete die frisch gebackene Preisträgerin dazu nur knapp und mit einem Lächeln. Und dass es „sehr geil“ sei, als „Frankfurter Mädel“, diesen Orden mit nach Hause nehmen zu können. Ginge es nach Stenger, dann ist Jones’ Karriere jedenfalls noch längst nicht vorbei. „Du“, so drückte er es unter lautem Klatschen der Anwesenden aus, „bist irgendwann mal lachende Bundestrainerin.“